Alpenüberquerung FAQ

In diesem Beitrag habe ich alle möglichen Fragen gesammelt und beantwortet, die während der Planung oder Vorbereitung für eine Alpenüberquerung auftreten können.

Welche Routen für eine Alpenüberquerung gibt es?

Wie lange dauert eine Alpenüberquerung?

Ich möchte eine Alpenüberquerung machen, aber wo fange ich bei der Planung an?

Brauche ich einen Bergführer / Guide für die Alpenüberquerung?

Kann ich ohne Bergerfahrung eine Alpenüberquerung machen?

Wann ist die beste Zeit für eine Alpenüberquerung?

Was mache ich bei Regen oder wenn anderes schlechtes Wetter eintritt?

Was muss ich mitnehmen / in meinen Rucksack packen?

Kann ich auf eine Alpenüberquerung mein Zelt mitnehmen und einfach campen?

Muss ich die Übernachtungen auf Berghütten vorher reservieren?

Muss ich Mitglied im Alpenverein werden?

Brauche ich eine Wanderkarte für meine Alpenüberquerung?

Was mache ich mit meinem Auto während der Alpenüberquerung?

Wie fit muss ich für eine Alpenüberquerung sein?

Was kostet eine Alpenüberquerung?

Kann die Höhenkrankheit während der Alpenüberquerung auftreten?

Was mache ich, wenn ich mich unterwegs verletze und nicht mehr weiter wandern kann?

Gibt es auf einer Alpenüberquerung Kletterstellen oder Klettersteige?

Welche Routen für eine Alpenüberquerung gibt es?

Routen für eine Alpenüberquerung gibt es wie Sand am Meer (okay, ich übertreibe ein wenig). In meinem Beitrag „Routenvergleich: Warum der L1 oder eine Variante davon“ vergleiche ich die drei bekannten Routen E5 (Oberstdorf nach Meran), L1 (Garmisch nach Brescia) und den Traumpfad (München nach Venedig). Wie der Name schon verrät, sind wir eine Variante des L1 gelaufen. Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere Routen, die für dich interessant sein können. Schau doch für eine komplette Übersicht von allen bekannten Routen auch mal bei alpenueberquerung.info vorbei. Die Übersicht hat mir auch bei der Planung geholfen.

Wie lange dauert eine Alpenüberquerung?

Das kommt ganz darauf an, welche Route du nehmen möchtest (siehe vorherige Frage). Zwischen fünf Tagen und mehreren Wochen geht praktisch alles! Unsere Alpenüberquerung im Sommer 2019 hat 12 Tage gedauert. Wir sind auf dem L1 gewandert, haben aber die ursprüngliche Route verkürzt und sind nach Meran statt nach Brescia gelaufen. Falls dich die Route des L1 interessiert, schau doch in meinem Beitrag „Unsere persönliche Alpenüberquerung: Route und Etappen“ vorbei!

Ich möchte eine Alpenüberquerung machen, aber wo fange ich bei der Planung an?

Am besten machst du dir erstmal Gedanken, wie lange du unterwegs sein und welche Route du nehmen möchtest (siehe Fragen eins und zwei). Beides hängt nämlich zusammen. Wenn das geklärt ist, kannst du in die Feinplanung gehen. Das heißt, deine Etappen planen und Hütten buchen und nicht zuletzt überlegen, was du mitnimmst. Eine detailliertere Erläuterung findest du in meinem Beitrag „So planst du deine Alpenüberquerung: von der Grob- zur Feinplanung„.

Brauche ich einen Bergführer / Guide für die Alpenüberquerung?

Das entscheidest du für dich. Von mir folgender Tipp: Falls du noch nie in den Bergen warst und dementsprechend keine alpine Erfahrung, würde ich dir zu einem erfahrenen Bergführer raten. Da mein Freund und ich viele Touren in den Bergen unternehmen und bereits unternommen haben, haben wir uns im Sommer 2019 für eine Alpenüberquerung ohne Bergführer entschieden und unsere Route eigenständig geplant. Beides ist möglich und ohne deine persönliche Erfahrung zu kennen, möchte ich mich nicht für das eine oder das andere aussprechen.

Kann ich ohne Bergerfahrung eine Alpenüberquerung machen?

In dem Fall rate ich dir zu einem Bergführer (siehe vorherige Frage). Eine andere Alternative ist, erstmal ein paar kleine Tagestouren oder Mehrtagestouren zu machen um damit abschätzen zu können, ob du eine Alpenüberquerung auch alleine machen kannst und möchtest. Damit kannst du auch sehen, ob mehrtägiges Wandern mit Gepäck auf dem Rücken etwas für dich ist, falls du das bisher auch noch nicht gemacht hast.

Wann ist die beste Zeit für eine Alpenüberquerung?

Eine Alpenüberquerung sollte zwischen Juli und September stattfinden. Davor besteht noch die Gefahr in größere Altschneefelder des letzten Winters zu kommen. Vor Altschnee ist man zwar auch nicht in den genannten Monaten gewahrt, die Bedingungen sind sehr wahrscheinlich aber besser. Auch das Wetter spielt in den Monaten Juli bis September eher mit. Auch wenn ich hier erwähnen muss, dass unsere Alpenüberquerung im Sommer 2019 eher ins Wasser fiel. Aber davor ist man auch nie zu 100% gefeit. Das führt zu der nächsten Frage…

Was mache ich bei Regen oder wenn anderes schlechtes Wetter eintritt?

Bei normalen Regen ganz einfach: weiter wandern! Für nasses Wetter hast du eine gute Regenjacke und gegebenenfalls noch Regenhose dabei. Da kann dich nichts aufhalten. Sollte Gewitter angesagt sein, ist Vorsicht geboten. Wandere auf keinen Fall in höhere (baumfreie) Lagen oder gar auf Gipfel. Dort besteht Lebensgefahr, da du Blitzen schutzlos ausgeliefert bist. Du solltest in Betracht ziehen, die Etappe mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu überbrücken, bevor du dich in irgendwelche nicht abschätzbaren Gefahren begibst. Daher ist es wichtig, dass du vor und vor allem während der Alpenüberquerung jeden Tag die Wettervorhersage anschaust.

Was muss ich mitnehmen / in meinen Rucksack packen?

Das fängt bei der richtigen Wanderausrüstung wie Wanderschuhe und Wanderstöcke an, geht über Hüttenschuhe und Hüttenschlafsack und hört bei den Hygieneartikeln auf. Dabei solltest du auf jeden Fall darauf achten, nicht zu viel mitzunehmen. 15 Kilogramm sind schnell erreicht und können dir das Leben auf der Alpenüberquerung zur Hölle machen, weil Rückenschmerzen praktisch vorprogrammiert sind. Schau einfach mal auf meiner Packlisten-Seite vorbei für detailliertere Infos (mit Packliste zum Runterladen)!

Kann ich auf eine Alpenüberquerung mein Zelt mitnehmen und einfach campen?

Das ist schwierig und eher nicht zu empfehlen. Geplantes Übernachten im Freien sind in Deutschland, Österreich und Italien verboten (in Österreich gibt es je nach Bundesland unterschiedlich restriktive Gesetze hierzu). Oft wird zwischen Zelten und Biwakieren unterschieden. Biwakieren wird noch eher geduldet bzw. ist teils erlaubt (kommt auf die Region an). Ausgenommen von den Regeln sind Privatgrundstücke, wo ihr übernachten dürft, wenn es der Eigentümer ausdrücklich erlaubt (also auch nicht einfach so in einem Garten campen!). Eine andere Ausnahme hiervon bildet natürlich das Not-Biwakieren, wenn du aufgrund einer Notsituation am Berg nicht mehr weiter kommst und deswegen übernachten musst. Du siehst: das Thema ist nicht so einfach. Daher folgende kurze Antwort zur Frage: Grundsätzlich empfiehlt der Alpenverein die Nutzung der AV-Hütten und das tue ich an dieser Stelle auch.

Muss ich die Übernachtungen auf Berghütten vorher reservieren?

Meine Empfehlung ist: Ja. Mittlerweile hat der Alpentourismus dermaßen  zugenommen, dass in der Hochsaison im Sommer auch unter der Woche die bekannten Hütten meistens ausgebucht sind, vom Wochenende gar nicht zu sprechen. Daher haben wir es auf unserer Alpenüberquerung im Sommer 2019 auch erlebt, dass Gäste ohne vorherige Reservierung im Gastraum auf einer Matratze auf dem Boden schlafen mussten. Der Nachteil: Du bist relativ unflexibel, was deinen Zeitplan betrifft, wenn du alle Hütten vorher reservierst.

Muss ich Mitglied im Alpenverein werden?

Du musst kein Mitglied im Alpenverein sein um auf Alpenvereinshütten übernachten zu dürfen. Jedoch übernachten Alpenvereinsmitglieder billiger auf den AV-Hütten und das meist um 50%. Bei zehn oder mehr Übernachtungen spart das schon einen Haufen Geld. Daher solltest du dir für deine Alpenüberquerung tatsächlich überlegen, ob du in den Alpenverein eintrittst.

Brauche ich eine Wanderkarte für meine Alpenüberquerung?

Sei es eine Wanderkarte oder eine GPS-Navigation mit digitaler Karte, du solltest auf jeden Fall Kartenmaterial für alle Etappen bei dir haben. Das ist wichtig für eine gute Orientierung während deiner Alpenüberquerung. Sowohl vor der Tour als auch während der Tour macht es Sinn mal öfter auf die Karte zu schauen und sich den Wegverlauf der Etappen mit möglichen Alternativen anzuschauen. Ich empfehle sowohl analoges Kartenmaterial als auch digitales, da ich während unserer Alpenüberquerung im Sommer 2019 mit beidem sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Was mache ich mit meinem Auto während der Alpenüberquerung?

Am besten lässt du dein Auto zuhause. Die Planung für unsere Alpenüberquerung im Sommer 2019 sah eine Anreise als auch eine Abreise mit dem Zug vor. Das heißt, das Auto stand zuhause und wir mussten uns keine Gedanken machen, wie wir an den Startpunkt unserer Tour kommen. Frage doch am besten eine/n Freund/in, ob die Person euch zum Bahnhof oder alternativ direkt zum Startpunkt fahren kann, falls ihr nicht so weit weg von den Bergen wohnt.

Wie fit muss ich für eine Alpenüberquerung sein?

Du solltest eine solide Basisfitness mitbringen, um bei einer Alpenüberquerung nicht schon am ersten Tag schlapp zu machen. Insbesondere lange Etappen oder steile Anstiege sind anstrengend. Daher solltest du dich auf Ausdauersportarten wie Laufen oder Schwimmen in der Vorbereitung konzentrieren. Viel Bewegung im Alltag hilft auch schon, und erst recht Tages- oder Mehrtageswandertouren an den Wochenenden. Für mehr Tipps schau einfach bei meinem Beitrag „Fit werden für die Alpenüberquerung vorbei“.

Was kostet eine Alpenüberquerung?

Hierzu plane ich noch einen etwas ausführlichen Beitrag, in dem ich alle Kosten detailliert aufliste. Was ich an der Stelle schon mal sagen kann: Plane grob mit etwa 35-50€ pro Tag pro Person zusammen für Übernachtung und Verpflegung. Da kommt es natürlich drauf an, ob du im Matratzenlager oder eher im 4er-Zimmer übernachtest oder ob du zum Abendessen das 3-Gänge-Menü oder das Bergsteiger-Essen bestellts. Hier ist natürlich insgesamt zu bedenken, dass die Verpflegung auf dem Berg tendenziell teurer ist als im Tal, da eine Versorgung einer Berghütte oft nur über Materialseilbahnen oder auch nur per Helikopter erfolgen kann.

Kann die Höhenkrankheit während der Alpenüberquerung auftreten?

Als Höhenkrankheit werden die Symptome bezeichnet, die auftreten, wenn man sich auf größere Höhen begibt und der Körper dadurch eine geringere Sauerstoffversorgung hat. Die Symptome treten zumeist ab 3.000 Meter Höhe auf, vereinzelt aber auch schon ab 2.500 Metern, wobei die Höhe ein entscheidender Faktor beim Verlauf der Höhenkrankheit ist. Zu den Symptomen zählen klassischerweise Kopfschmerzen, Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen oder Schlafstörungen. Wenn die Höhenkrankheit zu einem Höhenlungenödem oder einem Höhenhirnödem führt, kann es lebensbedrohlich werden. Das ist zwar sehr selten, aber in der Hälfte der Fälle endet es tödlich.

In den Alpen können auf entsprechenden Höhen erste Anzeichen der Höhenkrankheit auftreten. Um dem vorzubeugen ist sind folgende Verhaltensweisen wichtig und können das Risiko signifikant senken: Langsamer Aufstieg, genügend Akklimatisationszeit, Schlafhöhe unter maximaler Tageshöhe und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Meine Erfahrung ist: auf den Standardrouten der Alpenüberquerung ist die Höhekrankheit eher kein Thema, sondern Menschen, die ihr Kondition und Leistungsfähigkeit  einfach überschätzen und deswegen in Probleme kommen.

Was mache ich, wenn ich mich unterwegs verletze und nicht mehr weiter wandern kann?

Falls du nicht mehr von alleine weiter kommst und dich in einer akuten Notsituation befindest, ist es angebracht einen Notruf abzusetzen. In Deutschland und Südtirol erreichst du den Notruf unter der 112, in Österreich unter der 140. Je nach Lage wird die Bergrettung dann zu dir kommen. Doch beachte: Bei sehr schlechtem Wetter oder sehr schwierigen Verhältnissen kann das auch schon mal länger dauern. Falls du keinen Empfang hast oder dein Handyakku leer ist, musst du anderweitig auf dich aufmerksam machen und unter Umständen das alpine Notsignal verwenden. Dabei machst du optisch (bspw. mit Taschenlampe= oder akustisch (bspw. mit Trillerpfeife) auf dich aufmerksam

Gibt es auf einer Alpenüberquerung Kletterstellen oder Klettersteige?

Auf den bekannten Routen gibt es schon mal die ein oder andere Stelle, wo du deine Hände zuhilfe nehmen musst. Es sind aber keine Stellen, wo spezifische Klettererfahrung notwendig ist. Auch Klettersteige sind nicht Teil von den bekannten Alpenüberquerungen. Ich habe jedoch schon Angebote von geführten Alpenüberquerungen gesehen, die extra Klettersteige und/oder Kletterstellen anbieten, falls du sowas explizit suchst.

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